Ganz normaler Wahnsinn

Hier wird darüber zu berichten sein,
woran ein Choleriker sterben könnte, wofür ein buddhistisch-gelassen eingestellter Mensch jedoch nur ein Lächeln übrig hat. Die Aufstellung hat keinerlei wertende Reihenfolge, es kommt halt, wie es kommt.

1. Die Elektrizität.
Sie ist bekanntlich unsichtbar und manchmal auch komplett weg. Besondes lustig, wenn gerade die mühsam zum Brot geformte Backmischung von EDEKA in der Backröhre den ersten Bäckerei-Duft durch die Küche strömen läßt.........
Auch ergibt sich nachts ein schöner Effekt, wenn beim neuerlichen Ankommen des Stromes diverse Rauchmelder und andere Elektrodinger erstmal unter heftigem Piepsen und tröten in einen Selbstprüf-Modus wechseln...

Auf (die meisten) anderen Konsequenzen hat man sich mit LED-Leuchten, Kerzen usw. vorbereitet.... 

2. Das Wasser.
Daß es wichtig ist, merkt man auch erst, wenn es durch Abwesenheit glänzt.
Normal sind geplante sommerliche Abstellungen des warmen Trinkwassers, unnormal ist dessen gänzliches Fehlen, manchmal auch mit dem Kaltwasser gemeinsam.
Dann hat der kluge Bewohner vorgebaut und zieht unter seiner Badewanne ein paar PET-Flaschen hervor, die irgendwann mal als Limoflaschen ausgedient hatten und füllt somit wenigstens den WC-Spülkasten.

Ein besonderes Phänomen ist das "Wasser-Wechsel-Spiel". Ein auch durch mich als Ingenieur undurchschaubares System von Heizungs- und Trinkwasserleitungen im Keller der Gebäude hat anscheinend verschlungene Kurzschlüsse, die niemand findet oder beherrscht.
Das kann dazu führen, daß man sich täglich die Quizfrage stellt, aus welchem Hahn denn heute das kalte bzw. warme Wasser beliebt zu erscheinen.
Dieses immer neue Feststellen der Lage schult auch das eigene logische Denkvermögen ungemein, denn es ist schon ein Unterschied beim Duschen, ob es beim Drehen der Hähne eisekalt oder brühend heiß wird.
Versuch-und Irrtum-Methode nennt man sowas.
Eine besondere Lage entsteht, wenn überraschender Weise aus allen Leitungen Heißwasser im Überfluß quillt.
Dann hat man mit dem WC-Spülkasten zwar einen Heizkörper mehr im Bad, aber gleichzeitig auch das Problem, besser seine Verdauungsgeschäfte solange zu verzögern, bis der Speicher halbwegs erkaltet ist.
Denn erwärmte "Endausscheidungen" erzeugen immens schnell eine radikale Verschlechterung der Zimmer-Atmosphäre ......
So, das mußte auch mal geschrieben werden ....   

3. Der Lift als Solcher ....

Mein Wohnblock ist 10 Wohnetagen hoch und 8 Monate alt.
Rund 70 Famiien nutzen den Lift, darunter auch ich und meine Leute bis zur Neunten.
Das Ding stammt aus Korea(Süd) und erzählt immer mit angenehmer weiblicher Computer-Stimme, daß sich jetzt die Türen öffnen oder schließen, ob es aufwärts oder abwärts geht, und in welchem Stock der Lift gerade hält.

Seit drei Tagen allerdings erzählt er (oder Sie) allerdings gar nichts mehr.
Alle Lampen sind aus, kein Ton dringt aus dem Lautsprecher.
Was zunächst wie ein (auch schon mal vorgekommener) kleiner Defekt daherkam, weitete sich nun aus:
Nämlich in Form eines Zettels im Erdgeschoß.
Darauf steht geschrieben, daß der Motor durchgebrannt ist und der Lift "ein paar Tage" (???) nicht funktionieren wird.
Wie lange sich diese "paar Tage"hinziehen werden, erfuhren wir heute auf Nachfrage:
Der Motor sei in Korea bestellt und man rechne längstens mit 2-3 Wochen, dann sei er "schon" da......
Derweil kämpft sich die Bewohnerschaft tapfer treppauf und treppab, fügt sich in ihr Schicksal und hat vollstes Verständnis dafür, daß halt Ersatzteile aus Korea einen längeren Transportweg haben.
Man kennt das ja aus eigenem Erleben, weil man entweder schon in Südkorea war oder von seinen Verwandten, die in Südkorea leben und arbeiten, ab und zu auch was mit längerer Transportzeit geschickt kriegt.


Ich würde gerne mal wissen wollen, was in dem gleichen Fall die Eigentümer-/ Mieter- Gemeinschaft in Deutschland veranstalten würde ......;-)

4. Benzin ist ein besonderer Saft  
Das Zeug heißt ja auch "Treibstoff", und momentan "trieb" es mich zur Weißglut ......
Als Vorbemerkung:
Das am dünnsten besiedelte Land der Welt ist auf Transport von Menschen und Gütern mit Fahrzeugen angewiesen.
Nun ist das Tankstellennetz nicht gerade dicht, und der erfahrerene Kraftfahrer sorgt für Alles vor, indem er sich bevorratet.
Auch gibt es Stellen ohne Elektroenergie im Lande, wo man also clever einen kleinen Generator einsetzt, um Strom für Bohrmaschine, Wasserpumpe, Kühlschrank oder Fernseher zu erzeugen.
Die kleinen Brummer gibt es an jeder Ecke zu kaufen.

Also besorgt man sich einen üblichen Treibstoff-Kanister, (die gibt es gar nicht überall zu kaufen, der Grund erklärt sich gleich), und fährt zur nächsten Tankstelle.

Der Sprachunkundige wird nun mächtig erstaunt sein, wenn ihm das freundliche Personal mit Händen und Füßen erkläen wird, daß er nun so gar kein Benzin in seinen Kanister gefüllt bekommt.
Warum das so ist ?
Ganz einfach: ES IST AMTLICH VERBOTEN !!!!! 

So geschah es mir also dieser Tage, und ich war baß erstaunt darüber.
Die freundliche Dame an der Zapfpistole hatte aber Mitleid und ich kriegte doch welches.
Allerdings bedeutete sie mir, daß sie per Videoüberwachung kontrolliert werde, und sie für die Mißachtung des Verbotes 2000 Tugrik (rund 90 Eurocent) Strafe zahlen müsse.
Für die erhaltenen 20 Liter war es mir wert, die Summe auszugeben.

Meine mongolischen Kollegen erklärten mir auf Nachfrage, daß dieses Verbot tatsächlich besteht.
Der Grund sei, daß es irgendwann vor Jahren mal Leute gegeben habe, welche mit Benzin aus Kanistern Leute und Häuser angesteckt hätten.
Außerdem sei im Frühjahr die Brandgefahr überall hoch.

Meinen Sarkasmus haben sie wohl nicht so richtig verstanden, als ich meinte, daß es wohl demnächst keine Streichhölzer, Feuerzeug und lange Messer mehr geben werde............

Die Lösung dieses Problems ist für den geplagten Benzinkäufer übrigens ganz einfach:
Man wählt eine Stamm-Tankstelle aus und baut mit dem Personal eine persönliche Beziehung auf ............
Dann kriegt man
a) seinen Kanister mit Sprit betankt und muß
b) noch nicht mehr mal die Strafzahlung kompensieren ........

Tja, so einfach ist das mit dem Treibstoff, wenn man weiß, wie .........

5. Ämter : Katasteramt als Katastrophe     


Jedem Mongolen der Hauptstadt stehen per Gesetz 700m² Land zu, welches er in ausgewiesenen Gebieten kostenlos erhält, um es in einer Art Erbpacht zu nutzen und zu bebauen.
Diese Gebiete sind mehr oder weniger attraktiv, weil es in keiner Weise feststeht, ob und wann sie erschlossen werden.
Also, ob sie in absehbarer Zeit oder doch nur irgendwann Straßen, Strom, Wasser und Kanalisation erhalten.

Der Weg,ein halbwegs interessantes Grundstück zu bekommen, ist deshalb nicht einfach, aber mit vielen Freunden, Bekannten und ein wenig Bakschisch auch gangbar.
Denn was würde es dem werktätigen Menschen nützen, zunächst 25 km Offroad (das sind eventuell 2 Stunden Fahrzeit !!!) zu fahren, um dann in herrlicher Landschaft ohne jegliche Versorgung zu sitzen, und das nächste Baustoffgeschäft ist eben auch so weit weg .....  

Kurz und gut:
Wir haben was Besseres gefunden, relativ nah an der Stadt, der nächste Strommast ist keine 300 Meter weg, und der nächste öffentliche Tiefbrunnen auch nicht viel weiter.

Also wollten wir nun mal wissen, wie denn das so aussieht mit einer Elektroversorgung.
Brunnen würden wir selber bohren lassen.
Das Kundenbüro der Stadtwerke erklärte uns auch recht schnell, daß wir eine Meldebescheinigung brächten, und die Grundbesitz-Urkunde mit Kataster-Auszug. Dann bekämen wir eine Auskunft zum Strom.
OK, wir wohnen ja legal, also haben wir in unserem Stadtteil die Meldebescheinigung geholt, den Katasterauszug und die Besitzurkunde zum Grundstück eingepackt.
Und zum zweiten mal zum Kundenbüro der Stadtwerke gefahren.

Nun erfuhren wir Folgendes:
a) Der Katasterauszug gilt nicht, da wir dort nicht eingetragen sind. Die Besitzurkunde hilft da auch nicht.....
b) Wir sind ja auch gar nicht auf dem Grundstück gemeldet, wo wir Auskunft zum Strom haben wollen !


Ja genau, sagt nun meine Frau, ......
Denn wir wohnen ja in der Stadt in einer Wohnung mit Strom und Wasser und Kanalisation und Internet.
Und anmelden da draußen auf der grünen Wiese zum Wohnen geht ja gar nicht, eben weil dort nichts ist und wir da auch noch keine Jurte oder Haus haben.
Denn das soll ja alles erst mal  kommen, und da wollten wir halt mal vorher was zum Strom erfahren, der ja zum Bauen nicht schlecht wäre .....

Naja, meinte dann die Dame, das sollten wir dann mal in dem Stadtteil-Büro klären, welches für unser Grundstück zuständig ist.

Nun gut, des Dramas nächster Akt:
Hin zu dem Stadtteilbüro, und dort steht ein Menschenmenge, welche um 13:30 Uhr nach der Mittagspause sofort bedient werden möchte.
Ein Herr mit Krawatte kommt jedoch vom Essen, und nachdem er den einzigen Ausländer in der Menge entdeckt hat, kriegen wir eine Vorzugsbehandlung vom Stadtteil-Chef direkt.
Und der erklärt, daß das alles ganz schwierig sei......

Er könne uns aber mal provisorisch für ein paar Tage eine Meldebescheinigung auf das dortige Grundstück ausstellen.
So ungefähr 10 Tage würden reichen, denkt er.
OK, jetzt bin ich also mit meiner Frau parallel auf zwei Wohnadressen angemeldet.
Geht als Ausländer eigentlich gar nicht, denn nun müßte ich mich bei der Immigration-Behörde erkundigen, ob das Probleme geben könnte. Mache ich aber nicht, wegen den 10 Tagen ...........

So, nun das Katasteramt, erledigen wir auch gleich hinterher nach dem Stadtteil-Bürgermeister.
So dachten wir zumindest.

Wieder ein paar Kilometer weiter, aber die haben am Donnerstag Nachmittag zu, da ist "Organisationstag"
Also am Freitag Vormittag um 10:00 Uhr wieder ein paar Kilometer zum Katasteramt gefahren, und sich am Schalter für den Bereich "22" angestellt.

Da arbeitete aber niemand, und nach 30 Minuten erfuhren die wartenden 10 Leute, daß der Sachbearbeiter zu einer Versammlung gerufen wurde.
Auf die Frage, warum denn die Versammlungen nicht am gestrigen "Organisationstag" abgehalten wurden, sondern während der regulären Öffnungszeiten, gab es keine Antwort.

Die Wartezeit nutzend, fanden lauschige Gespräche statt und die Wartenden kamen sich persönlich immer näher.
So erfuhr man dann auch vom Nebenschalter, daß man zur Bearbeitung doch vorher eine Gebühr zu entrichten hätte, einzuzahlen am Bankschalter im Nebengebäude.
Ein Antragsteller am Schalter nebenan wußte das nämlich ebenso wenig wir wir Beide, und hatte somit seinen Platz in der Wartegemeinschaft komplett verspielt ..... Neu anstellen ....

Zum Glück erfuhren wir es, und meine Frau rannte los, während ich die Warteposition absicherte.
Nach nur einer einzigen Stunde (!!) erschien dann ein etwas genervt wirkender junger Mann tatsächlich an unserem Schalterfenster, und erklärte dem erstaunten Wartekollektiv, daß er nicht in der Lage sei, Katasterauszüge zu bearbeiten.
Es sei nämlich ein Fehler im System, in der Zentrale wäre der Strom ausgefallen und niemand wüßte, wann es weitergeht.
Man solle doch am Besten am Montag wiederkommen.
Meine (nur ganz, ganz leicht genervte..) Ehegattin erbat sich nun eine Telefon-Nummer, über die man sich am Montag erkundigen könne, ob die 15 km Anfahrt Sinn machen würden.
Die bekam sie aber nicht, man solle einfach kommen .............. 

Und am Montag, dem 14. März anno Domini 2016 waren wir also wieder beim Katasteramt, und siehe da:
Es ging NICHTS !!!!!!
Meine (nun mehr ziemlich stark genervte..) Ehefrau vergaß ihre gute Erziehung und hat scheinbar damit soviel Eindruck hinterlassen, daß wir immerhin eine Telefonnummer für Nachfragen erhielten.
Auch meine bewußt gezeigte düstere Miene sowie die auf Deutsch und ziemlich laut geäußerten Mißfallensbekundungen schienen Wirkung gezeigt zu haben......

So, und nun haben wir in der letzten Woche immerhin schon mal drei Telefonate geführt, welche uns knapp 100 Kilometer Stadtfahrt erspart haben.
Und heute, am 21.03.2016 geht das System angeblich immer noch nicht, und wir sollen es am kommenden Mittwoch versuchen.
Geht aber nicht, da dann mein Auto nicht fahren darf.
Also am Donnerstag, aber nur Vormittags, weil nachmittags "Organisationstag" ist.............  

Die ganze Aktion hatten wir am 10.03. gestartet ........
Wie lange es dann dauert, bis wir nach Vorlage der kompletten Unterlagen eine Auskunft von den Stadtwerken bezüglich Strom kriegen, darüber denke ich erst gar nicht nach.....
Und darüber, ob es im Jahre 2016 überhaupt eine Chance gibt, die 300 Meter vom letzten Strommast bis zum Grundstück zu überbrücken, schon gar nicht ......



Kommentare:

  1. Ich musste herzhaft lachen, Frank... aber ich bin ja - zum Glück - auch nicht davon betroffen.

    LG Gisela

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  2. Einen netten Effekt hatte ich im Schlafzimmer bei ausgschaltetem Licht. Da blinkten die Sparlampen unentwegt, was das einschlafen verlässlich verhindert.
    So ganz erklären kann ich den Effekt nicht. Entweder ein Fehlerstrom oder eine nahe Mobil-Funkantenne. So stellt man sich ideale Sparlampen eigentlich vor - Schalter aus und Licht an.

    Strom weg :-) das kenne ich auch - in Ulaan Bator beim Frisör. Mittendrin, plötzlich dunkel. Zum Glück hat der Frisör nicht meinen dämlich überraschten Gesichtsausdruck im Spiegel gesehen.

    Lässig sind auch die zahlreichen Privattaxis.Ein Fahrer hat mich mal komisch anguckt als ich mich bei Fahrtbeginn anschnallen wollte. Nächstes mal prüfe ich ob ich ausgerechnet ein weisses T-Shirt anhabe. Da verewigt sich nähmlich unter Umständen der Gurtabdruck.
    Manchmal bezahlt man ein Taxi auch unterwegs - an der Tankstelle...

    Tja sonst bei Wiederankunft in Deutschland erwischt an sich selbst, dass man immer hecktisch über die Straße läuft und Kanaldeckel immer vorsichtig umgeht.

    Viel Spass weiterhin
    Siegfried

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  3. Hallo Siegfried,
    ich erkenne einen ausgewiesenen Mongolei- oder besser gesagt, Ulaanbaatar-Experten.
    Ja, genau das sind sie, die Unwägbarkeiten, welche den Einen den Verstand rauben, den Anderen aber zeigen, daß nichts vollkommen sein muß, damit es trotzdem irgendwie funktioniert ...........

    Und:
    Danke, den Spaß habe ich weiterhin,
    gerade in Erwartung einer Wasser-Abstellung mal ein paar Liter gebunkert für WC und so.
    Ist doch spannend, oder nicht ? :-)

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